27 Jahre - Gospelchor Together

St. Elisabeth und Hubertus - Neuss Reuschenberg

Die Geschichte der Gospelsongs und Negro-Spirituals ist immer auch die Geschichte des Sklavenhandels. Zwischen 1790 und 1830 wurden ungefähr 1 Million Menschen aus ihrer afrikanischen Heimat nach Nordamerika verschleppt und zur Arbeit auf den Baumwollfeldern der Südstaaten gezwungen. Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs belief sich der Anteil der schwarzen Bevölkerung in den USA auf nahezu 4,5 Millionen Menschen. Sie hatten keinerlei Rechte und galten als Leibeigene ihrer Herren.

Der Gesang, der die Feldarbeit begleitete und gleichzeitig auch erträglicher machte, war die einzige Möglichkeit, untereinander zu kommunizieren. Die Wiege des Gospels war geschaffen. Das Gospellied wurde zum Ausdruck innigen Glaubens, leidenschaftlicher Hoffnung und der Sehnsucht nach der verlorenen Heimat und Freiheit. Gleichzeitig war es ein Mittel zur Nachrichtensendung. Verschlüsselte Botschaften wie Tagesereignisse, Fluchtwege oder Personenbeschreibungen wurden über die Lieder weitergegeben.
Da die Schwarzen einen Großteil ihres Lebens mit Arbeit zubrachten, waren die "Work-Songs" ein wichtiges Ausdrucksmittel. Die Lieder wurden mit leidenschaftlicher Begeisterung und unerschütterlicher Hoffnung angereichert und auch bei religiösen Treffen gesungen. Der Gottesdienst war für die Schwarzen ein musikalisches Fest, dem sie sich mit Leib und Seele hingaben. Man nannte diese Zusammenkünfte "Seouls", nach dem an der westafrikanischen Küste gebräuchlichen Wort "sand", welches das Gehen oder Laufen um das Heiligtum ausdrückt.
Als sich dieser afrikanische Gesang mit den Liturgien der weißen Prediger, die die Schwarzen missionierten, vermischte, entstand ein neuer Stil des Gospels: das Negro-Spiritual, das "sperichil": christliche Lieder der europäischen Siedler, Volksweisen und Kirchenlieder vorwiegend aus dem angelsächsischen Raum vermischt mit afrikanischen Rhythmen, Volksweisen und Bräuchen wie Händeklatschen, Tanzen und Fustampfen. Neue Gottesdienstformen entwickelten sich. Reigentänze wurden vor der Kirche getanzt und die Gemeinde nahm aktiv an der Liturgie teil. Der Priestervortrag der biblischen Geschichte und des Evangeliums wurde damit belebt. Besonders typisch für das Spiritual ist das Prinzip des "Call and Response". Die Gemeinde und der Chor antworten dem Prediger und Vorsänger auf Zuruf. Zunehmend wurden die Spirituals auch mit Instrumenten (etwa Percussion und Hammond - Orgel) begleitet.

Der eigentliche Gospel entstand Anfang dieses Jahrhunderts in den schwarzen Ghettos der amerikanischen Großstädte. Dort - zum Beispiel in Harlem - wird der Gospel noch heute in unzähligen Gemeinden in "street Chörchens" zelebriert. Wohl kaum an einem anderen Ort auf der Welt wird mit einer derartigen Hingabe und Inbrunst zum Lobe Gottes gesungen wie in den Kirchen des schwarzen Amerikas.

Aus den Sklavengesängen entwickelte sich auch der Blues, in dem wiederum der Jazz, der Soul, sogar der Rock'n Roll (der fälschlicherweise oft als "weiße Musik" bezeichnet wird), der Hip-Hop und Rap ihre Wurzeln haben.